17.07.12 - REULBACH - Die Entscheidung war am 06. Juli unabwendbar, doch sie geschah zugleich mit der Hoffnung auf eine Rettung und Zukunft. Die Rede ist von "Menz Holz", eigentlich einem Vorzeigeunternehmen in der Hohen Rhön, in Reulbach, das sich auch mit dem Beinamen "exklusive Holzmanufaktur" schmückt. Mit knapp 100 Beschäftigten ist der "Outdoor-Spezialist" größter Arbeitgeber in der Region und hat in den vergangenen zwölf Jahren zwei schwere Brände überstanden: im November 2000 und im Februar 2008 mit zweistelligem Millionenschaden. "Auferstanden aus Ruinen" und immer wieder investiert, doch jetzt könnte die schlechte Saison und der fehlende Umsatz dem Unternehmen das Genick brechen. Nach Angaben von Geschäftsführer Reiner Buchmann ist das monatliche Auftragsvolumen um etwa ein Drittel auf nur noch etwa 650.000 Euro eingebrochen. Und weil Investoren und Banken sich nicht auf eine Krediterhöhung einigen konnten, blieb nur der Gang zum Fuldaer Amtsgericht - um einen Insolvenzantrag zu stellen.
Äußerlich betrachtet hat sich in den vergangenen zehn Tagen in Reulbach nichts verändert, es wird weitergearbeitet und produziert. Doch die Mitarbeiter sind geschockt, innerlich unsicher, ob sie hier eine Zukunft haben, aber es gilt: "die Hoffnung stirbt zuletzt", denn alternative Arbeitsplätze gibt es in der Umgebung erst recht nicht. "Nachhaltigkeit der Exklusivität zu verbinden" das ist eines der Prinzipien des Unternehmens, das mitten im Biosphärenreservat Rhön liegt.
Als vorläufiger Insolvenzverwalter hat jetzt der Frankfurter Dr. Jan Markus Plathner das Sagen. Der Versuch von "osthessen-news.de", mit Mitarbeitern über ihre Situation und Ängste zu sprechen, wurde von der Chefetage unterbunden. Man wolle nicht noch mehr Unruhe in der Belegschaft haben, hieß es.
In den vergangenen Jahren ist ein sehr reichhaltiges Sortiment aufgebaut worden. Es reicht von Balkonen, Gartenmöbeln, Outdoorparkett, Sichtblenden, Zäunen und Toren bis hin zu Pergola, Brücken, Rosenbögen oder Rankgitter. Die vier "Designwelten" Avantgarde, Modern, Klassik und Eco bieten ganz unterschiedliche Produkte und Qualitäten. Dabei werden die Produkte in einem - so das Unternehmen - "weltweit einzigartigen Verfahren" haltbar gemacht: das Holz kocht in Rapsöl und ist damit extrem witterungsbeständig. Aus Prinzip und Überzeugung verarbeitet das Unternehmen "kein Tropenholz, sondern vorweigend erstklassige europäische Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft"-
Hinter den Kulissen wird in Reulbach derzeit hart gearbeitet, ein Zukunftskonzept für das immerhin seit knapp 35 Jahren bestehende Unternehmen zu entwickeln. Dabei dürften die motivierten Mitarbeiter und guten Produkten eine gute Basis für das Überleben dieser Situation sein. Ziel ist es offenbar, auf jeden Fall den Standort Reulbach zu erhalten. Menz-Holz ist auch für die Rhöngemeinde Ehrenberg wichtig - das weiß Bürgermeister Thomas Schreiner und will bei der Suche nach neuen Absatzmärkten und möglichen Investoren mithelfen. (ma) +++  |