13.07.12 - Bischofsheim - Am kommenden Wochenende wird in Oberweißenbrunn in Verbindung mit dem 50jährigen Kirchenjubiläum die Segnung des Haus der Begegnung gefeiert. Was heute das Haus der Begegnung ist, war früher ein Schulgebäude – im Volksmund ist es ohnehin noch bekannt als „Altschul“. Eigens für das Fest wurde nun die Chronik der Oberweißenbrunner Schulgeschichte zusammen gefasst. In einem alten Salbuch ist zu lesen: „Oberweißenbrunn hat eine Schule und ein Hirtenhaus.“ Eine genaue Jahreszahl wird jedoch nicht erwähnt.
Für Unterweißenbrunn findet sich eine Jahreszahl: 1615. Recherchen zufolge könne davon ausgegangen werden, dass auch um diese Zeit die erste Schule in Oberweißenbrunn gebaut wurde. In diesem „Altschul-Haus“ wohnte der Lehrer mit seiner Familie und in seinem Wohnzimmer wurde der Unterricht abgehalten. Um 1626 war Valentin Fromm als Lehrer tätig. Er war der erste Lehrer, der namentlich für Oberweißenbrunn in Chroniken genannt wird. Im folgenden listet die Chronik verschiedene Lehrer auf, die in Oberweißenbrunn zum Teil über Jahrzehnte hinweg wirkten. „Die Schulgebäude befanden sich in einem schlechten Zustand, wenn überhaupt von Schulhaus gesprochen werden kann.
War einmal ein guter Lehrer da, so konnte er auch nichts Gutes leisten, weil er mit Viehhirten und anderen Gemeindedienern gleichen Ranges war, aber eine schlechtere Bezahlung erhielt. Erst mit der Schulordnung, am 05.01.1775 bekanntgegeben, wurden die Schullehrer von Bodengängen, Frondiensten und dergleichen freigesprochen“, ist die Situation in der Chronik nachzulesen. 1775 ging man sechs Jahre zur Schule, vom 6. bis zum 12. Lebensjahr. Auch die Tagesordnung wurde festgelegt. „Um halb 7 Uhr sollen die Schulkinder von Hause aus gehen, damit sie um 3/4 in der Schule beysammen sein: um 3/4 bethet der Schulmeister mit ihnen verständlich und ohne Geschrey das Morgensgebeth. Um 7 Uhr führet sie der Schulmeister Paar und Paar in die Kirche. Um halb 8 Uhr nimmt der Schulunterricht seinen Anfang.“
Geregelt wurde auch die Schul-Zucht: „Beim Bestrafen vermeide der Lehrer alle Beschimpfungen und ehrrührige Beschämungen, als Eselsohren, es ist dem Schüler schon Schande genug, wenn er von den übrigen abgesondert auf einer besonderen Bank sitzen muß: er brauche niemals derbe Strafinstrumente, als Ochsenziemer, gefährliche und knechtliche Schläge, als Ohrfeigen, Stösse und Schläge mit der Faust, das Haarreisen, Ohrzwicken, daß der zarte Körper der Züchtlinge nicht leide. Bei kleinen und mittleren Kindern ist das Strafwerkzeug die Ruthe. Nicht zu bestrafen sind die Fehler des Verstandes und Gedächtnisses z.B. Blödigkeit, natürliche Langsamkeit oder geringe Fähigkeiten etwas zu fassen. usw.“ Adam Hart wurde 1821 Schultheiß von Oberweißenbrunn. In seiner Zeit als Schultheiß wurde im Jahre 1824 das erste Schulhaus errichtet, die Obere Schule.
Die Obere Schule, einstöckig errichtet, war somit das älteste reine Schulhaus – sie wurde vor wenigen Wochen abgerissen. Als diese Schule wegen steigender Schülerzahlen nicht mehr ausreichte, wurde 1889 bis 1890 die zweite Schule, die untere Schule errichtet, die heute als Haus der Bewegung der Kirchengemeinde dient. Es gab einen Schulsaal, zwei Zimmerchen (13 und 9 qm) für den Lehrer und das Standesamtzimmer und unter dem Dach ein Kaplanszimmer, in dem auch noch die Kirchengewänder aufbewahrt wurden An der Stelle, an der diese Schule errichtet wurde, stand ursprünglich die Feuerleiterhalle mit einem Anbau für die Feuerlöscheimer und einer tragbaren Feuerspritze. Bei den Ausschachtungen der Fundamente zu dieser zweiten Schule ist man auch auf menschliche Skelette gestoßen.
Im Jahre 1825 herrschte im Dorf die Ruhr, an der 39 Menschen starben, darunter 22 Jugendliche, es wird vermutet, dass es sich hier um einen „Kinderfriedhof“ handelte. Je nach Klassenstärke waren in der Unteren Schule die Klassen 1 bis 3 beziehungsweise bis zu 4. Klasse untergebracht. In der Oberen Schule die Klassen 5 bis 7. 1936 wird in den Unterlagen erwähnt, dass die 8. Klasse einzuführen ist. In den Jahren 1935/36 wurde eine Lehrerwohnung geplant, die Obere Schule wurde aufgestockt. Der Name des Lehrers war Gottfried Kroth, der seit 1913 als Lehrer in Oberweißenbrunn tätig war. Er war demnach über zwanzig Jahre hier Lehrer gewesen. Seine Tochter war längere Zeit Gemeindeschreiberin. Es war auch ganz selbstverständlich in den Ortschaften, dass der Lehrer im Ort auch der Organist in der Kirche war.
Lehrer nach dem 2. Weltkrieg
Die ersten Eintragungen nach dem Zweiten Weltkrieg stammen 1948 vom Lehrer Karl Jessenberger. Seit dem 1947 waren die Lehramtsanwärterin Gerta Gill und seit 1948 der Lehramtaner Karl Jessenberger an die Volksschule Oberweißenbrunn versetzt worden. Jessenberger wurde 1961 zum Oberlehrer befördert und 1962 nach Schönau a.d.Brend versetzt. Jessenberger wirkte 14 Jahre und 11 Monate in Oberweißenbrunn. Wegen seiner Körpergröße wurde er von allen, wenn er persönlich nicht anwesend war „de Lang“ genannt, was so viel wie der Lange bedeutete. Für den Religionsunterricht war der Kuratus von Oberweißenbrunn zuständig. Kuratus Richard Körner wurde von H. H. Stadtpfarrer Jeßberger am 31.10.1953 eingeführt. Nachfolger wurde Kuratus Hugo Seufert, der auch hier auf dem Friedhof in Oberweißenbrunn, beigesetzt ist. Er war der Initiator des Kirchenneubaues, die im Jahre 1962 geweiht wurde.
Neben seinem Lebenswerk wollte er ruhen. Als am 01.10.1957 das Fräulein Hermine Müller zur Volksschule nach Oberweißenbrunn versetzt wurde und die Lehrerwohnung bezog, fügte der Chronist in Klammern hinzu: Wohnung renoviert: mit jetzt Wasserleitung und Abfluß. 1964 wurde Kuratus Hugo Seufert verabschiedet, seine Stelle trat Kuratus Edgar Grehn an. Mit Beginn des Schuljahres 1969/70 wurde die Volksschule Oberweißenbrunn aufgelöst und in die Verbandsschule Bischofsheim integriert. Die beiden Klassenräume in Oberweißenbrunn wurden weiter genutzt. Im Schuljahr 1971/72 existiert nur noch eine Klasse in Oberweißenbrunn. Im Oberen Schulraum wurde ein Werkraum eingerichtet. Mit dem Schuljahr 1974/75 wurde zum letzten Mal in Oberweißenbrunn Unterricht erteilt. Die Gebäuden wurden vermietet, als Wohnung, an die Sparkasse und für Arztbesuche sowie von Vereinen genutzt. Im Rahmen der Dorferneuerung Oberweißenbrunn wurde die untere Schule Generalsaniert und steht in erster Linie, als „Haus der Begegnung“ für die Belange der Kirche zur Verfügung. Die obere Schule wurde vor wenigen Wochen abgerissen. (me) +++ |