 10.07.12 - REGION - Rund 60 Einbrüche in Wohnungen, Schulen, Kindergärten, Kirchen, Gaststätten, Hotels und Firmengebäude gehen auf ihr Konto - und das innerhalb eines Vierteljahres. Nicht nur in Fulda, Eichenzell, Künzell und Neuhof, sondern vor allem auch in der hessischen und bayerischen Rhön. Das Diebesgut: Smartphones, Kaffeemaschinen, Laptops, Medikamente, Armbanduhren und Schnäpse im Gesamtwert von 47.000 Euro. Und noch viel höher ist der Sachschaden: 121.000 Euro - nicht zuletzt deswegen, weil unzählige Generalschlüssel von öffentlichen Gebäuden gestohlen wurden und in der Folge sämtliche Schließanlagen ausgetauscht werden mussten. Die sechs Täter teilten sich in zwei Gruppierungen - darunter ein Kontaktmann, der mit dem Duo und Trio in Beziehung steht. Alle kommen aus Osthessen, sind den Strafverfolgungsbehörden bekannt und haben schon einges auf dem Kerbholz. Vermutlicher Hintergrund der Einbrüche: die Täter sind spielsüchtig, arbeitslos und drogenabhängig.
Für die Polizei war es wie ein großes Puzzle, denn die Täter hatten so gut wie keine Spuren hinterlassen. Deshalb glich die Suche der nach einer Nadel im Heuhaufen. Bis zu sechs Beamte haben über drei Monate - teilweise bis in die späten Abendstunden und an Wochenenden - ermittelt. Jetzt - nach Observationsmaßnahmen - ist es gelungen, die einzelnen Mosaiksteine zusammenzusetzen.
In einer gemeinsamen Pressekonferenz von Polizeipräsidium Osthessen und Staatsanwaltschaft Fulda äußerten sich die Führungskräfte und leitende Ermittlungsbeamte am Dienstagvormittag zu den Hintergründen.
Am frühen Freitagmorgen dann der große Erfolg: Mit Unterstützung des mobilen Einsatzkommandos und Beamten der regionalen Polizeidienststellen hat das Einbruchkommissariat K21 zugeschlagen und die Serientäter auf frischer Tat ertappt. Drei wurden festgenommen und Haftbefehl erlassen. Dabei handelt es sich um einen 25-Jährigen aus Unterfranken sowie zwei Männer aus Stadt und Kreis Fulda (20 und 43). Harry Wilke, Sprecher der Staatsanwaltschaft Fulda, sprach von einem "enormen Arbeitsaufwand" und "Zeitdruck", denn jeder Haftantrag müsse vor dem Richter penibel und detalliert begründet werden.
Zu den Serientätern zählt auch eine 24-jährige Frau aus Fulda. Sie ist Mutter dreier Kinder und hat einen festen Wohnsitz. Sie gilt als Mittäterin, gehört zur Bande der Schuleinbrecher und hat bereits ein Geständnis abgelegt. Ebenso steht die Identität eines 32-jährigen Mannes aus dem Kreis Fulda fest. Per Haftbefehl wird noch ein 49-jähriger Mann aus dem Kreis Fulda - er ist der Staatsanwaltschaft bekannt - gesucht. "Wir werden alles daran setzen, den fehlenden Täter schnell zu bekommen", versicherte Polizeipräsident Hoff.
"Ich freue mich sehr über diesen Ermittlungserfolg", sagte der Polizeipräsident und betonte: "An jedem zweiten Tag ein Einbruch - das tut weh und schmerzt." Der Präventionsbeitrag sei nicht zu unterschätzen und stärke das Sicherheitsgefühl der Bürger in der Region. Hoff lobte die "sehr gute Arbeit" seiner Beamten und die "gute Kooperation" mit der hessischen Bereitschaftspolizei, der bayerischen Landespolizei und der Staatsanwaltschaft. Lob gab es auch von Oberstaatsanwalt Rainer Heblik, dem Vize-Chef der Staatsanwaltschaft Fulda. "Das zeigt wie die Strafverfolgungsbehörden Hand in Hand zusammenarbeiten."
"Als erkennbar war, dass es sich um eine Serie handelt, haben wir schnell unsere Kräfte gebündelt", erklärte Kriminaldirektor Matthias Weber, Leiter der Krimaldirektion Fulda. Er sprach von einer "großen kriminellen Energie"der Täter. Kriminalhauptkommissar Michael Kramer vom K 21 berichtete über die Chronologie dieser Einbruchserie. "Am Anfang standen wir vor dem Nichts, dann haben sich die Spuren immer mehr verdichtet." Kramer erzählte von einem Einbruch in den Kindergarten der Dompfarrei. Dort hätten die Täter einen Tresor gestohlen und zunächst versucht mit dem Fahrrad wegzuschaffen, dann mit einem Auto. Er wurde später aufgeflext und in der Fulda entsorgt. Das Diebesgut in diesem Fall: Lilienthaler und Schlüssel.
Nun beginnt für das Einbruchkommissariat die Sisyphus-Arbeit. Denn jetzt heißt es, das sichergestellte Diebesgut den jeweiligen Einbrüchen zuzuordnen. Die Polizei wies an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass die Beobachtungen von Zeugen der Schlüssel für einen schnellen Erfolg sind. In der Rhön hätte es einen Vorfall gegeben, bei dem ein Mann von seinem Balkon aus Zeuge eines versuchten Einbruchs wurde und dabei ganz gemütlich zwei Zigaretten geraucht habe. Durch sein "Hallo"-Rufen sei der Dieb unerkannt entkommen, die Polizei habe erst Tage später davon erfahren.
Die Täter werden sich wegen Einbruchdiebstahl in besonders schwerem Fall zu verantworten haben. Das Strafmaß liegt zwischen drei Monaten und zehn Jahren, so Wilke. Mit der Eröffnung der Hauptverhandlung wird innerhalb der nächsten sechs Monate gerechnet. (Christian P. Stadtfeld). +++
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