10.07.12 - NÜSTTAL - Nahezu jeden Tag schaut Jeremias nach Leo. Der achtjährige Junge aus Nüsttal-Silges bringt ihm Wasser, ein paar Leckerlis und begleitet ihn zum "Friseur". Leo ist ein Rhönschaf und freut sich genauso wie seine acht Artgenossen über die besondere Aufmerksamtkeit und Zuwendung von rund 40 Kindern. "Das macht mir viel Spaß und ist richtig spannend", erzählt Jeremias. Im lauten Getummel ist er mit seinen Kumpels auf der großen Streuobstwiese mitten im Dorf. Gestern war ein großer Tag für sein Schaf Leo und dir anderen. Den Rhönschafen wurden die Klauen geschnitten und die dicke Schafswolle kam ab - der Friseur heißt Schäfer Klaus Keidel.
In dem kleinen Dörfchen Silges in der Vorderrhön (Gemeinde Nüsttal) wird viel für die Kinder getan. "Ich finde das eine gute Sache, wir wohnen direkt neben der Wiese. Unsere Kinder kommen so noch mehr mit der Natur und den Tieren in Kontakt", beschreibt Jeremias Vater Holger Brauner. Das Projekt "Jedem Kind sein Rhönschaf" soll der Umweltbildung und dem gemeinsamen Engagement für die Natur unter Beteiligung der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen des Dorfes dienen. Neben Familien mit ihren Kindern beteiligen sich auch die Lebenshilfe Fulda-Hünfeld e.V. sowie die Jugendhilfe im Strafvollzug an diesem Projekt.
Neun Rhönschafe wurden im Frühjahr angeschafft. Rund 40 Jungen und Mädchen kümmern sich nun ein halbes Jahr lang bis zum Oktober um die Rhönschafe bevor die Tiere wieder zum Schäfer Klaus Keidel kommen. Initiator dieser Aktion ist Rhönranger Arnold Will, der natürlich mit seinem Team ein Auge auf die Schafe hat und den Kindern wertvolle Tipps gibt. Aber auch die Eltern sind in das Prokjekt involviert. Zur großen Schafschur am gestrigen Montag kamen auch der heimische Bundestagsbageordnete Michael Brand und der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Heiko Wingenfeld. Sie lobten das besondere Engagement in Silges.
Und so tobten die Schafe mit den Kindern um die Wette. Ein tolles Bild und ein Beispiel dafür, dass nicht nur Facebook & Co. bei den jungen Menschen ankommen. In der Rhön - und besonders auch in Silges - scheint die Welt noch in Ordnung. Jeremias und die anderen Jungs und Mädchen lernen, für ein Lebewesen zu sorgen - egal ob die Sonne scheint oder nicht. Und: Keine Lust gilt nicht. Den Schafen scheint es zu gefallen. Immer wieder stupsen sie die Kleinen an und wollen gestreichelt werden. Und ein Leckerli ist für Leo und die anderen Schafe schleißlich auch drin. Wie nennt man das doch so schön Neudeutsch: Eine "win-win-Situation". (Hans-Hubertus Braune) +++
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