30.07.10 - GINOLFS - Das 25jährige Jubiläum des Rhönschafprojektes des Bund Naturschutz wird in den kommenden zwei Tagen mit einem großen Fest im Schafstall der Familie Kolb in Oberelsbach-Ginolfs/Rhön (Kreis Rhön-Grabfeld) gefeiert. Vor 25 Jahren, als alles anfing, war Josef Kolb selbst auch 25 Jahre alt. Sein bisheriges halbes Leben widmete er den Rhönschafen. Grund genug ihn einmal auf der Schafweide bei seinen 350 Muttertieren und 23 Ziegen zu besuchen. Josef Kolb und eine Schafe, sind in den vergangenen 25 Jahren zu einer Symbiose zusammen gewachsen. Er kennt seine Tiere in- und auswendig und die Schafe folgen ihm auf Wort. Ein Ruf genügt und die Herde setzt sich in Bewegung.
Vor 25 Jahren hat niemand ahnen können, dass das Rhönschafprojekt sich zu einem solchen Erfolgsmodell mit Vorbildfunktion entwickeln wird. Kaum ein Fremdenverkehrsprospekt der Rhön, der heute nicht mit stimmungsvollen Bildern einer schwarzköpfigen Rhönschafherde wirbt. Dabei war in den 80er Jahren, diese an das raue Klima der Rhön vorzüglich angepasste Schafrasse von einst 400.000 Tieren auf einen kläglichen Restbestand zusammengeschrumpft und drohte sogar ganz auszusterben.
Der Initiative des Würzburger Zoologieprofessors Gerhard Kneitz, dem Engagement des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland und des Bund Naturschutz in Bayern, aber auch der Unterstützung durch die Isler-Stiftung (Berlin), durch den Bezirk Unterfranken, vielen Fachleuten und großzügigen Spendern ist es zu verdanken, dass das Rhönschaf in seiner angestammten Heimat wieder richtig Fuß gefasst hat und heute zum alltäglichen Bild gehört.
Aus dem einstigen Sorgenkind wurde ein Aushängeschild und Sympathieträger für die Rhön. Es ist ein Modellprojekt, das bis heute bundesweit als eindrucksvolles Vorbild dient und eine gelungene Symbiose von Ökologie und Ökonomie, von Naturschutz und Tourismus, aber auch von Landschaftspflege, Regionalvermarktung und Arbeitsplatzsicherung in einer ehemals benachteiligten Region.
Maßgeblich am Erfolg beteiligt ist Familie Kolb, die das Rhönschafprojekt zu einer Familienangelegenheit machten und mit Geduld und Ausdauer zum Erfolg führen. Viele Erfahrungen sammelte Josef Kolb in den 25 Jahren als Rhönschaf-Schäfer. Ob ein Reh in die Weide sprang und die Schafe allesamt ausbrachen und wieder eingefangen werden mussten, ob verwaiste Lämmchen als Flaschenkinder aufgepäppelt werden mussten oder wirtschaftliche Fragen die Familie beschäftigen, Kolb blickt auf 25 interessante und lohnenswerte Jahre zurück.
Zum Glück gab es keine wirklich Existenz bedrohenden Ereignisse, wie gravierenden Epidemien unter den Tieren. Das Projekt stand stets auf einer gesunden Basis. Für Kolb sind seine Schafe mehr als nur „Produktionsmittel“, sie sind ihm wirklich an Herz gewachsen. So ist es auch selbstverständlich, dass Lämmer, die mit Startschwierigkeiten zur Welt kommen, nicht gleich aufgegeben werden. „Man kämpft um jedes Lamm.“ Das könne mitunter ganz schön an die Nerven gehen, wenn so ein Lämmchen alle paar Stunden bei einem Muttertier zum säugen angehalten werden müsse. „Es wird halt versucht ein Muttertier zu überlisten, ob es ein verwaistes Lämmchen annimmt, denn jedes Lamm zählt“, so Kolb.
Wie geht es nun weiter mit dem Rhönschafprojekt? Ausgangsbasis sind die 32 Hektar der Gassenwiesen, die 1985 vom Bund für Umwelt und Naturschutz durch Ankauf gesichert und für das Rhönschafprojekt zur Verfügung gestellt wurden. Insgesamt bewirtschaftet Josef Kolb 160 Hektar Fläche, baut das Futter für die Rhönschafherde komplett selbst an. Die Gassenwiesen alleine reichen für die große Herde nicht aus. Eine Vergrößerung der Herde ist derzeit nicht geplant. Um die Bio-Verordnung einzuhalten müsse zunächst die bestehende Stallfläche erweitert werden, damit die vorhandenen Tiere bleiben und eventuell geringfügig auf 450 Tiere aufgestockt werden könne. Deutlich mehr Tiere möchte Kolb aber nicht halten. Die Pläne für die Erweiterung sind bereits fertig in der Schublade und können jederzeit umgesetzt werden.
Nach dem großen Jubiläumsfest werden die Details mit dem Bund Naturschutz abgeklärt. so Kolb. Sein erklärtes Ziel ist es, das Rhönschafprojekt auch für die nächsten 25 Jahre fit zu machen. Er selbst sei ja nun 50 Jahre alt und möchte dem Projekt eine langfristige Perspektive geben. „Den Betrieb so aufbauen, dass ein Nachfolger ihn übernehmen kann“, sagte Kolb. Doch noch denkt er nicht ans aufhören, die Vertragsverlängerung mit dem Bund Naturschutz steht 2012 an. (Marion Eckert) +++
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