21.07.10 - SCHWARZBACH - Eine außergewöhnliche und doch überzeugend natürliche Aufführung ist der Pfarrei in Hofbieber-Schwarzbach (Kreis Fulda) gelungen. In allen emotionalen Schattierungen erklang der Name Lioba = „Liebesgabe“ an diesem lauen Sommerabend durch das Rhöndorf. Die Theatergruppe "St. Maria vom Berge Karmel" spielte vor cirka 500 Besuchern und der imposanten Kulisse der Pfarrkirche das Mysterienspiel „St. Lioba“ von Inga Storck-Schnabel mit großer stimmlicher, körperlicher, musikalischer und geistiger Präsenz. In dem "zum Himmel geöffneten Raum" verband sich der nach Meinung der Autorin "der Gesang der Vögel mit den Psalmen, der kultivierten Sprache der Darsteller und den gut abgestimmten Begleitinstrumenten". Besonders der Dialog der Schlaginstrumente mit den aus der Kirche herauswehenden Orgelimprovisationen bildete den Rahmen für ein dramatische Spiel, das Ringen zwischen der Herzenssprache der Heiligen Lioba und der kämpferischen Wut der Germanen.
In dem Stück befinden sich die Germanen ständig im Krieg - und deshalb bedeuteten Schwert und Magie zugleich auch Macht und Stärke. Sie vertrauten ihren Schutzgeistern und Gottheiten, waren aber dennoch in ständiger Unruhe. Dem setzte Lioba ihre Herzensgüte, Gastfreundschaft, Feindesliebe, den Gewaltverzicht sowie die Armut und eine über alle Grenzen hinaus gehende Sprache der Nächstenliebe entgegen. Die Inszenierung zeigte, wie authentisch und vorbildlich Lioba die Regel des Heiligen Benedikt mit Leben erfüllte.
Zum dramatischen Höhepunkt wurde die Darstellung von Vertretern der beiden Seiten, die in ihrer jeweiligen Haltung geschwächt waren und durch die Begegnung und das Handeln der Heiligen ihre Stärke wieder finden konnten: die Nonne, die vor der klösterlichen Gemeinschaft fliehen wollte, das Mädchen, das aus der germanischen Sippe verstoßen wurde und der Alte, der in seinen körperlichen Gebrechen die Ablehnung der Götter am eigenen Leib zu spüren glaubte. Diesen Dreien gab Lioba durch ihr benediktinisches Verhalten Kraft und Stärke für deren Weg.
Aufbrechen konnte die Gastfreundschaft der Hl. Lioba allerdings nicht die von Trauer und Wut geprägte Persönlichkeit des jungen Germanen, dessen einziger Gedanke die Rache für das „Töten“ der Eiche, seiner heiligsten Göttin, durch Bonifatius war. Ständig mussten Lioba und ihre Nonnen die magische Bedrohung durch das Germanentum erfahren, im Stück dargestellt durch einen großen schwarzen Vogel mit Runenträger und Gefolge.
Unter der behutsamen Regie von Inga Storck-Schnabel spielten in beeindruckender Weise das Ensemble mit Monika Kling (Hl. Lioba), Hannelore Auth (Sprecherin), Dorothea Michel (Ruth), Petra Kling (Elisabeth), Sybille Spiegel, Ute Giersig, Claudia Laibach, Rita Klüber, Regina Henkel, Marita Jost (Nonnen sowie Gefolge des großen Vogels), Christine Happ, Katja Flügel, Hannelore Auth (Nonnen), Günther Hüsgen (alter Germane), Lukas Witzel (Gerald, junger Germane), Anna Flügel (Mädchen), Tim Ulmer (großer Vogel), Philipp Flügel (Runenträger). Die Instrumente wurden gespielt von Katja Flügel (Flöte), Christine Herrlich (Trommel), Lukas Laibach, David Flügel (Geräusche), Matthias Flügel (Posaune), Christine Happ (Orgel und Gesang). Weitere Mitwirkende waren: Andreas Hanke, Gert Amann (Technik) und Katja Mruk (Soufleuse).
Mit der Aufführung des St. Lioba Stückes fanden die diesjährigen Feiern des Skapulierfestes in Schwarzbach einen besinnlichen Abschluss. Am 1. August 2010 wird das Stück um 19:00 Uhr vor der wunderschönen Kulisse der Kirche St. Cyriakus in Spahl (Thüringen) aufgeführt. (Monika Kling) +++
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