21.07.10 - Sandberg - Die Friedhofssanierung in Sandberg steht schon sehr lange an, seit Jahren wird darüber diskutiert. „Ich habe ein ganz unwohles Gefühl“, räumte Bürgermeister Detlef Beinhauer der Bevölkerung gegenüber offen ein. Doch er bat auch um Verständnis, da es Zeit brauchte um Meinungs- und Entscheidungsfindung zu betreiben. Viele Gespräche und Abstimmungen seien nötig gewesen, um sich über die Zukunft des Sandberger Friedhofs klar zu werden. „Es geht nämlich nicht nur um Oberflächengestaltung, sondern um die Frage einer Erweiterung und die Bodenproblematik“, so Beinhauer.
Die Gemeinde Sandberg beauftragte den Landschaftsarchitekt und zertifizierten Friedhofsplaner Thomas Struchholz (Veitshöchheim) mit der geologischen Untersuchung und der Planung. Die Ergebnisse wurden in einer Bürgerversammlung der Öffentlichkeit nun vorgestellt. Struchholz trug die Problematik und die Fragestellungen sehr bedachtsam an die Bevölkerung heran, dabei machte er deutlich, dass es nicht ausschließlich darum gehe, wie das Gräberfeld aussehe und in welcher Richtung die Gräber ausgerichtet seien. Gesetzliche und rechtliche Vorgaben seien einzuhalten und umzusetzen, dafür sei die Gemeinde in erster Linie erst einmal verantwortlich. Bei einer Friedhofsplanung müsse auch die zukünftige Tendenz berücksichtigt werden, für Sandberg bedeute dies, dass es in Zukunft aufgrund der demographischen Entwicklung mehr Sterbefälle geben wird als heute. Auch die Bestattungskultur werde sich ändern, Urnenbestattungen seien zukünftig ein Thema.
Berücksichtigt werden müsse auch die Frage der Grabpflege in der Zukunft, der Trend gehe weg von großen und Pflege aufwändigen Pflanzflächen. Sich verändernde Gesellschaftsformen benötigen neue Lösungen, um Grabpflege zu minimieren oder auch ganz weglassen zu können. Erhalten bleibe müsse jedoch die Möglichkeit der Trauer Ausdruck zu verleihen, indem Blumen, eine Kerze oder einen Stein abgelegt werden könne. Die Planungen für Sandbergs Friedhof begannen im Untergrund. Es wurde eine geologische Bodenentnahme vorgenommen und ein schwach durchlässiger Boden vorgefunden. An zwei Stellen im Friedhof komme es zu Wasserstau, was die Verwesung behindere oder unmöglich mache. Hinzu komme im gesamte Friedhof eine Bodenmüdigkeit, aufgrund der Jahrhunderte langen Nutzung als Friedhof sei der Boden nicht mehr zur Verwesung der Leichen in der Lage. Die Problematik sei so umfassend, müsse auch unter dem Aspekt der Umwelthygiene und Arbeitsmedizin bedacht werden.
Um die Probleme in Sandbergs Friedhof zu lösen, wurden der Gemeinde fünf verschiedene Lösungsmodelle vorgeschlagen. Zum einen könne künftig nur noch Urnenbestattung zugelassen werden, was für Sandberg jedoch keine umsetzbar Alternative wäre, ebenso wenig wie der Bau einer Gruft oder Einhüllsysteme. Auch Bodenaustausch sei keine langfristige Lösung. Die einzig in Frage kommende Lösung sei der Einbau von Grabkammern. Dabei werde eine Betonkammer in den Boden eingelassen, in der der Sarg von Luft umgeben stehe. Die Betonkammer halte Erde und Wasser vom Sarg fern, Gieß- und Regenwasser werden über eine Drainage abgeleitet. „In einer Grabkammer herrschen optimale Umsetzungsbedingungen, die Ruhefrist kann auf 12 Jahre verringert werden“, verdeutlichte Struchholz die Vorteile und erläuterte der Bevölkerung die technischen Einzelheiten des Systems.
Von Vorteil sei auch die kleinere Pflanzfläche, die die Grabpflege kostengünstiger und damit auch zeitgemäßer ermögliche. Auch der Grabstein falle kleiner aus, könne sogar bei einer Wiederbestattung stehen bleiben, was ebenfalls Kosten reduziere. Derzeit sei es jedoch im Sandberger Friedhof nicht möglich, in den bestehenden Arealen großräumige Sanierungen vorzunehmen, die bestehenden Ruhefristen laufen zum Teil bis 2021. Um überhaupt zu einer Lösungen zu kommen, wird vom Friedhofsplaner vorgeschlagen, die Böschung mit einzubeziehen. Hier können in einer Reihe von der Leichenhalle bis zum vorderen Bereich 30 Grabkammern eingelassen werden. „Wir können sonst in keine andere Fläche mit einem Bagger rein, ohne Grabrechte zu berühren“, so Struchholz. Für Urnenbestattung ließen sich in der Friedhofsmauer ansprechende Lösungen finden. Auch gebe es Möglichkeiten ein Urnen-Gemeinschaftsgrab anzulegen, sollte es für den Sandberger Friedhof gewünscht werden.
Im Zuge der Sanierung sollen die vorhandene Mängel an den befestigten Wegen behoben werden. Gerade im Bereich entlang der Kirche seien die Abbruchkanten schon zu einer Unfallgefahr geworden. Struchholz legte einen Plan vor, nachdem er das Gelände im oberen insgesamt absenken möchte, um die Kante einzuebnen. Der Weg zur Leichenhalle werde auf drei Meter verbreitert und ebenso wie der Platz bei der Kirche gepflastert. Das Ehrenmal soll in den Friedhof versetzt werden, im Außenbereich können stattdessen vier Parkplätze und die Entsorgungsstation entstehen. Im bestehenden Areal werde keine weitere Sanierung an den Wegen vorgenommen. Der Umbau auf Grabkammern und die Sanierung der Anlage müsse, abhängig von den Ruhefristen in den kommenden Jahrzehnten vorgenommen werden.
Auf diese Weise könne der schöne und heimelige Friedhof im Bestand geschützt und im Ort direkt bei der Kirche erhalten werden. Mit der vorgestellten Sanierung möchte Bürgermeister Detlef Beinhauer noch in diesem Jahr beginnen. Die Investitionssumme liegt bei 260.000 Euro. Ein größeres Problem stelle die Leichenhalle dar, die Fassade sei durch gerostet. Die Sanierung werde zunächst hinten angestellt. (me) +++ |