| 01.06.12 - Hofbieber - Was soll ich heute anziehen? Diese Frage stellen sich jeden Tag Millionen von Menschen. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen eine Mischung aus klimatischen, individuellen und modisch-kulturellen Bedürfnissen. Doch ein Großteil der Weltbevölkerung besitzt nur die Kleidung, die sie am Körper trägt. Bei steigender Bevölkerungszahl und steigendem Bedarf an Kleidung, wie steht es da um die Nachhaltigkeit des Grundstoffs für Stoffe, der Faser? Und was hat unsere heimische Baumart Buche damit zu tun? Der Weltfasermarkt wird dominiert von Kunstfasern auf synthetischer Basis (bis zu 60 %), die aus Erdöl hergestellt werden. Die fossilen Ölvorräte der Welt sind aber endlich. Nachhaltig ist diese Form der Faserherstellung nicht. An zweiter Stelle stehen die Baumwollfasern (etwa 33 %). Der Anbau von Baumwolle ist aufgrund der klimatischen Bedingungen nur in begrenzten Teilen der Erde und auf landwirtschaftlichen Flächen möglich.
Obwohl sich auch ausdauernde Arten unter der Gattung der Baumwollpflanzen befinden, wird sie als Kulturpflanze zur reinen Baumwollgewinnung in Monokultur jedes Jahr neu gesät und beerntet. Die Baumwollpflanze gedeiht häufig nur unter großem Pestizideinsatz und mit viel Wasser. Die absehbare Verknappung der kostbaren Ressource Wasser wird zukünftig zu einer Verringerung der Baumwollanbaufläche führen. Nachhaltig ist das auf Dauer auch nicht. Mit steigender Weltbevölkerung wird auch der Bedarf an Kleidung und folglich der Bedarf an Fasern steigen. Eine echte Alternative zu synthetischen und Baumwollfasern bieten schon heute die mit einem Anteil von ca. 7 % am Weltfasermarkt vertretenen Viskose-, Modal- oder Tencelfasern. Bereits um 1906 wurde ein Verfahren entwickelt, das Cellulose aus Holz löst und zu Fäden verspinnt. Das Ergebnis sind naturnahe Kunstfasern, die den Eigenschaften der Baumwolle sehr ähnlich sind. Stoffe, die z. B. aus Modal gefertigt werden sind angenehm zu tragen, zeichnen sich durch eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme aus und trocknen schnell. Das Holz, aus dem Modalfasern gesponnen werden, ist ausschließlich Buchenholz. Und das kommt seit kurzem auch aus der Rhön, aus dem Forstamt Hofbieber.
Das Industrieholz wird bewusst nicht auf der Straße, sondern über den Bahnhof Fulda nach Österreich zu einem der führenden Hersteller für künstliche Fasern geliefert. Die Qualität des Holzes spielt dabei keine Rolle. Daher wird für die Faserherstellung Holz aus Vornutzungen, den Durchforstungen genutzt, das keine höherwertige Verwendung findet. Das ist nachhaltig. Sicher tragen Sie auch schon Buche und wissen es vielleicht nicht. In Funktionsbekleidung aber auch im Fasergemisch, etwa mit Baumwolle, gibt es bereits zahlreiche Produkte, in denen unser Holz steckt: in T-Shirts, Handtüchern, Socken, aber auch in Spezialkleidung für Feuerwehren.+++
[document info] Copyright © Osthessen-News 2000-2006 Ein Projekt von unabhängigen Journalisten in Fulda. Eine Veröffentlichung der Inhalte bedarf der Zustimmung von Osthessen-News oder des jeweiligen Urhebers. |