.jpg) | | Seit gestern informieren sich Schüler in der Stadthalle für eine faire Zukunft. Zur Eröffnung beteiligt waren (von links) Wolfgang Pfeiffer (Überlandwerk Rhön), Studiendirektor Peter Klör (FOS), Moderator Markus Kiesel, Eva Kalla und Jiska Troppenz (Projektleiterinnen Konsum) sowie Bürgermeister Bruno Altrichter mit Ulrich Leber (Stadtwerke) und Umweltlehrer Dieter Fenzl. Foto: Gerlinde Partl |
| 29.07.10 - Bad Neustadt - Was würde passieren, wenn alle 6,8 Milliarden Menschen auf der Erde so leben würden wie wir in Deutschland? Dies ist eine der zentralen Leitfragen, der die Multivision „Fair Future – der ökologische Fußabdruck“ auf den Grund ging. Die bundesweite Bildungskampagne gastiert seit gestern in der Stadthalle der Kreisstadt. Die Bildungskampagne entstand in Kooperation mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, Oxfam Deutschland und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND. In Bad Neustadt wird sie von der Stadt und den Stadtwerken, dem Überlandwerk Rhön GmbH und dem Landkreis Rhön-Grabfeld sowie durch die hiesige Sparkasse unterstützt, so dass der Obulus für die Schüler selbst wirklich klein gehalten werden konnte.
Maßgeblicher Mitinitiator war Dieter Fenzl, Umweltlehrer mit den Fächern Mathematik und Technologie an der Fachoberschule Bad Neustadt. Rund 760 Schüler der FOS, der Werner-von-Siemens-Realschule, der Wirtschaftsschule und des Gymnasiums nahmen an dem Projekt teil. Seit drei Jahren tourt diese Bildungskampagne durch ganz Deutschland. An rund 1.000 Schulen und mit rund 500.000 Schülern wird diskutiert, wie die Welt gemeinsam nachhaltig und fair gestaltet werden kann, erklärte Moderator Markus Kiesel mit eindrucksvollen Worten.
Bürgermeister Bruno Altrichter eröffnete nicht nur Projekttage, er schaute sich die Multidiavisions-Schau selbst höchst beeindruckt an. Eindringlich bat er die Schüler, sich deren Denkweisen anzueignen um sie als Multiplikatoren in die Familie und darüber hinaus weiterzutragen. Dass der Mensch Mutter Erde nicht sonderlich gut tue, sei hinreichend bekannt. Die Menschheit müsse dringend zu deren Erhalt beitragen. „Wem geht es gut?“ wollte Moderator Markus Kiesel wissen und viele Hände reckten sich in die Höhe. Den Bundesdeutschen gehe es sicherlich gut, gemessen an anderen Ländern. Deutsche verbrauchen das Dreifache von dem, was ihnen zustehe – und dennoch werde gejammert und geklagt. Das aber könnten sich die Menschen hierzulande nur leisten, indem sie anderen etwas wegnehmen. „Das kann nicht gutgehen.“ „Die begrenzten Rohstoffe unserer Welt sind die elementare Voraussetzung für die Produktion von Gütern und bilden damit eine wichtige Grundlage für den Wohlstand und die Bedürfnisbefriedigung der jetzigen und künftiger Generationen.“ Dabei gehe die Schere zwischen Angebot und Nachfrage immer weiter auseinander, was zu starken Preissteigerungen sowie wachsenden Konflikten um immer knapper werdende Rohstoffe führen wird.
„Die ökologischen Folgen unseres Rohstoffverbrauchs und die dabei entstehenden Abfälle überschreiten jetzt schon die Tragfähigkeit des Ökosystems unserer Erde.“ Der „ökologische Fußabdruck" ermittelt die Fläche, die benötigt wird, um alle Rohstoffe zur Verfügung zu stellen, die wir Menschen für Ernährung, Wohnen, Konsum, Energiebedarf etc. verbrauchen. Dahinter steht der Grundgedanke, dass jede Produktion, ganz gleich ob Lebensmittel, Konsumgüter oder Energie, eine gewisse Fläche auf unserem Planeten benötigt.
Um zu entstehen und produziert zu werden, nehmen alle Produkte Quadratmeter der Erdoberfläche in Anspruch. Aber auch der Müll und die Abgase benötigen „ihren Platz", um unschädlich gemacht zu werden. So kann der Ressourcenverbrauch für unseren Lebensstil berechnet werden und auf diese Weise können verschiedene Länder oder Gebiete miteinander verglichen werden. Die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens und anderen Lebensentscheidungen spiegeln sich in dieser Fläche wider und können berechnet werden.
„Es geht nicht darum, anderen vorzuschreiben, wie sie ihren Fußabdruck verkleinern, sondern darum, wie wir besser leben können. Die zentrale Frage lautet: Wie können wir unsere ökologischen Reichtümer bewahren? Denn die sind ausschlaggebend für unsere zukünftige Lebensqualität" ließ Mathis Wackernagel, Mitbegründer des Footprint-Konzeptes, im Film wissen. Problem sei nicht, dass zu viele Menschen auf diesem Planeten leben sondern dass eine Anzahl von Menschen unverhältnismäßig viel für sich beansprucht. „Die Nahrungsmittel könnten für alle reichen. Niemand müsste hungern.“ Es gebe lediglich ein Verteilungsproblem, wurde im Film deutlich.
Die Multivision Fair Future stellt mit Hilfe des Ökologischen Fußabdrucks eindrucksvoll dar, dass wirtschaftliches Wachstum sich an den Grenzen der ökologischen Leistungsfähigkeit des Planeten Erde orientieren muss. Das Prinzip Nachhaltigkeit ist gerade für die junge Generation von großer Bedeutung, denn auf ihren Schultern lastet die Zukunft unseres Planeten. Wertvolle Tipps ergänzten Ulrich Leber, technischer Leiter der Stadtwerke Bad Neustadt und Wolfgang Pfeiffer, Leiter Stromvertrieb im Überlandwerk Rhön-Grabfeld. +++
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